Pflicht oder Freiwilligkeit

 

Die psychische Gefährdungsbeurteilung ist zurzeit das aktuellste Thema, wenn man von Gesundheit im Betrieb spricht. Hat man als Arbeitgeber die Pflicht eine Gefährdungsanalyse zur psychischen Belastung am Arbeitsplatz durchzuführen und gibt es Strafen?

 

 Seit dem Juni 2013 wurde das Arbeitsschutzgesetz im Paragraphen 5 Absatz 3 um einen wichtigen Zusatz ergänzt.

㤠5 Beurteilung der Arbeitsbedingungen

(3) Eine Gefährdung kann sich insbesondere ergeben durch


6. psychische Belastungen bei der Arbeit.“

(Quelle: http://www.gesetze-im-internet.de/arbschg/__5.html)

 

Bei der Durchführung der Gefährdungsbeurteilung besteht allerdings noch viel Nachholbedarf. Kein Wunder, denn für nicht durchgeführte Analysen sind zunächst keine Konsequenzen festgelegt.

2014 veröffentlichte die DGPPN – Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde eine Studie, in der die Gesetzeslage zwischen Deutschland und den EU-Staaten Belgien, Dänemark, Frankreich, Italien, Luxemburg, den Niederlanden, Österreich, Rumänien, Schweden, Ungarn und dem Vereinigten Königreich verglichen.

06066287Dabei wurde festgestellt, dass in Deutschland fehlende psychische Gefährdungsbeurteilung lediglich als Ordnungswidrigkeit bestraft wird. Und auch erst nach einer Abmahnung und nicht Einhaltung der Nachholfrist. Im Vergleich zu anderen Ländern wie Frankreich, wo es Bußgelder von bis zu 45‘000 Euro oder Freiheitsstrafen von bis zu drei Jahren, bei nicht durchgeführter Analyse drohen, positioniert sich Deutschland damit im Mittelfeld.

Dabei schützt eine gut durchgeführte psychische Gefährdungsbeurteilung nicht nur den Arbeitnehmer vor Burn out und depressiven Erkrankungen, der Arbeitgeber hat die Möglichkeit präventiv tätig zu werden.

Die Sensibilisierung der Mitarbeiter zu diesem Thema ist wichtig, um die Produktivität und Leistungsfähigkeit aufrecht zu erhalten. In der heutigen Arbeitswelt dominieren mehr und mehr die psychischen Erkrankungen aufgrund von Zeit- und Termindruck.

Oft drückt sich die psychische Belastung über physische Beschwerden wie Rückenschmerzen aus. Das Erlernen von Entspannungstechniken und bewusster Wahrnehmung von Anspannung und Entspannung hilft mit stressigen Situationen umzugehen.

Als Pflicht sollte man die Durchführung der Gefährdungsbeurteilung nicht sehen, sondern als diagnostisches Mittel zur frühzeitigen Erkennung von möglichen psychischen Problemen am Arbeitsplatz.

Aktuell werden neue Entwürfe im Bundestag abgestimmt, die das Präventionsgesetz betreffen. Dort soll die psychische Gesundheit einen höheren Stellenwert erhalten.

 

Studie: Innereuropäischer Vergleich der Gefährdungsbeurteilung durch den Arbeitgeber bezüglich psychischer Belastungen am Arbeitsplatz

Autor: Igor Sattler

Psychische Gefährdungsbeurteilung – Pflicht oder Freiwilligkeit